Billige Esszimmerstühle

Billige Esszimmerstühle

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„Die nehmen wir gleich mit“, sagt Gabi Walluga und schnappt sich zwei Stühle. Sie eilt durch die Tür hinaus auf die Straße und klingelt ein paar Häuser weiter. Hier, in einer stillen Seitenstraße von Manheim-alt, wohnen seit einigen Wochen Petros und Ludmilla aus Armenien. Noch stehen nur wenige Möbel in der engen Dachwohnung der Flüchtlinge: ein Tisch, ein Sofa, zwei Sessel. Ein Fernseher, vor dem Wilhelm, 8, und seine Schwester Sofia hocken. Die Kinder sind heute Morgen geimpft worden. Stolz zeigt die Vierjährige den Besuchern ein Pflaster auf ihrem Arm.

Die gebrauchten Esszimmerstühle, die aussehen wie nagelneu, sind hochwillkommen – Petros nickt erfreut. Ihm fehlen die Worte. Er spricht kein Deutsch. Allein an Platz mangelt es in dem engen Zimmer, um sie unterzubringen. „Die brauchen dringend eine andere Wohnung“, sagt Gabi Walluga. Auch, weil im Erdgeschoss des schmalen Einfamilienhauses eine muslimische Familie wohnt, mit der man Küche, Bad und Toilette teilt. „Da gärt was“, konstatiert sie. Gleich morgen früh will sie deswegen bei der Stadtverwaltung in Kerpen anrufen.

Die 59-Jährige ist eine „Kümmerin“, wie Annette Seiche, Integrationsbeauftragte der Stadt Kerpen, Menschen von Wallugas Schlag nennt. Eine, die Stühle beschafft für Familien, die sie kaum kennt. Die Behördengänge für sie erledigt und dafür sorgt, dass Kinder mit „ungünstiger Bleibeperspektive“ regelmäßig in den Kindergarten gehen. Die im Pfarrheim mehrmals in der Woche Deutschunterricht erteilt und schon mal einen Obstkorb mitbringt in den Unterricht, um zu veranschaulichen, dass dieses runde Ding mit dem kleinen braunen Stil auf Deutsch „Apfel“ heißt und dass der Apfel „rot“ ist.

Gabi Walluga und einige andere „Kümmerer“ tun das seit rund acht Monaten – seit die nordrhein-westfälische Stadt Kerpen 70 Flüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien, aus dem Irak, aus Albanien, Armenien und Somalia einquartiert hat in Manheim-alt. Was für niemanden im Dorf ganz leicht ist. Nicht für die Fremden – Asylsuchende und geduldete Asylbewerber, die hineingepflanzt werden in einen Ort mitten im Nichts. Nicht für die alteingesessenen Bewohner, die in wenigen Jahren ihre Heimat verlieren werden.

Denn Manheim stirbt. Die Braunkohle, auf der es sitzt, ist sein Verhängnis. Das Dorf liegt mitten im 85 Quadratkilometer großen Braunkohletagebau Hambach. Rund 2,5 Milliarden Tonnen Braunkohle lagern hier, zwischen Köln und Aachen, in der Erde. Mehrere Ortschaften sind bereits in dem gigantischen Baggerloch verschwunden, das RWE Power in die Erde fräst. Spätestens 2022 wird auch Manheim endgültig weggebaggert sein. Schon seit Jahren rücken die bis zu 100 Meter hohen Schaufelradbagger des Energieriesen beharrlich näher und stehen inzwischen am Rande des Dorfes. Wälder sind gefallen, Zufahrtsstraßen und alte Gehöfte verschwunden. Die nahe Autobahn wurde im vergangenen Jahr verlegt.

Wer durch Manheim-alt fährt, der fährt durch ein Geisterdorf. Verlassene Häuser, verrammelt und vergammelt. Gärten, die zu kleinen Dschungeln wurden. Zugewucherte Fenster. Container voll mit Elektroschrott und zerbrochenen Möbeln. Vergessene Becher und Vasen kollern über den Bürgersteig. Niemand will sie haben. Es gibt keine Geschäfte mehr, keine Kneipe, kein Café. Es ist, bis auf das gelegentliche Gezwitscher der Vögel, totenstill. Allein eine Filiale der Kreissparkasse hat weiterhin geöffnet.

550 Einwohner sind seit dem 1. April 2012 umgesiedelt nach Manheim-neu bei Kerpen. Ein Dorf kann man die Ansiedlung von Häusern noch nicht nennen, doch das wird sich hoffentlich irgendwann ändern. Andere sind weitergezogen nach Köln, Kerpen, Nörvenich oder ganz weg aus der Region. Die rund 700 Menschen, die noch im alten Dorf leben, Alteingesessene wie Fremde, sind allesamt auf dem Sprung in eine ungewisse Zukunft. „Hier ist gar nix“, sagt Sadetta Suljic aus Bosnien-Herzegowina. Sie lebt mit fünf Söhnen im ehemaligen Feuerwehrhaus von Manheim: drei Zimmer, Küche, Diele, Bad. Ein kleiner Hof, in dem verloren ein paar Stühle stehen. Ein paar Schritte weiter der menschenleere Marktplatz. In einem schmalen Eckhaus wohnt Familie Samatar aus Somalia mit ihren zwei Kindern. Das jüngste wurde vor wenigen Monaten in Manheim geboren.

Wie lange sie bleiben wird? Sadetta zuckt mit den Achseln. In ihrer Halsgrube ruht ein goldenes Kreuz, Krampfadern überziehen ihre Beine wie ein Geflecht aus blauen Röhren. Wie alt sie ist, vermag sie nicht zu sagen. Vielleicht Mitte 35, vielleicht Anfang 40. „Weiß nicht, wie lange bleiben“, sagt sie. „Hier bald alles ganz weg.“

Kann an einem solch verlorenen Ort noch ein Gefühl für Gemeinschaft entstehen? Für gegenseitige Verantwortung? „Die meisten Menschen hier sind sehr mit sich selbst beschäftigt“, gibt Gabi Walluga zu. Sie und ihr Ehemann Volker, 63, sind erst vor einem Jahr nach Manheim-alt gezogen. Als frühere Mitarbeiter des Energiekonzerns RWE nutzen sie die billigen Mieten in dem aufgegebenen Dorf – mit dem Wissen, dort in ein paar Jahren wieder wegziehen zu müssen. Das schmucke Einfamilienhaus ist für sie eine Wohnstatt auf Zeit. Das verbindet sie mit Menschen wie Petros und Ludmilla, die ebenfalls in verlassenen Häusern von Alt-Manheimern untergebracht sind. Acht Objekte hat die Stadt Kerpen von RWE Power, dem jetzigen Eigentümer, für die Flüchtlinge angemietet; das Feuerwehr- und das Gemeindehaus, das ebenfalls keiner mehr braucht und in dem jetzt eine bosnische Familie lebt, sind ohnehin in städtischem Besitz.

Mehr als 70 Flüchtlinge sollen auch in Zukunft nicht in Manheim wohnen, beteuert Erhard Nimtz, Sprecher der Stadt Kerpen. „Wir wollen die Bewohner nicht über Gebühr belasten.“ Die wehrten sich anfangs im Netz mit unfreundlichen Worten gegen den Zuzug der fremden Nachbarn – und das, obwohl sich der Bürgerbeirat seinerzeit einstimmig für „die Anmietung der Häuser zur Unterbringung der Asylsuchenden/ Flüchtlinge“ ausgesprochen hatte. Der Aufruhr hat sich inzwischen gelegt „Es hat nie rechte Aktionen oder Äußerungen gegeben“, betont Annette Seiche, die darüber „sehr erfreut“ ist.

Im Dezember 2014 fand im Pfarrheim bei Kaffee und Kuchen ein erstes Treffen zwischen Flüchtlingen und Alt-Bewohnern statt, um einander kennenzulernen und eventuelle Barrieren im Kopf abzubauen. Die Stadt Kerpen habe anfangs nicht einmal die Adressen der Flüchtlinge herausrücken wollen und sich auf den Datenschutz berufen, klagt Georg Neuhöfer, Pfarrer in Buir, der ebenfalls an dem adventlichen Kaffeenachmittag teilnahm. Erst nach dem Treffen habe er Kontakt zu einigen Flüchtlingsfamilien in Manheim aufnehmen können.

Aus diesen ersten Besuchen sei schließlich die Idee entstanden, Paten und Patinnen für die neuen Nachbarn zu suchen – „Kümmerer“ wie Gabi und Volker Walluga, die ihren Einsatz als selbstverständliche Nachbarschaftshilfe verstehen. Inzwischen umfasst der Patenschaftskreis rund ein Dutzend Freiwillige aus den umliegenden Ortschaften. Aus Manheim-alt stammen nur wenige von ihnen. Integrationsbeauftragte Annette Seiche begrüßt die Einsatzbereitschaft, auch wenn es – nach der Abschiebung einer Familie beispielsweise – manchmal kräftig knirscht zwischen Stadt und Kümmerern. „Die Flüchtlinge brauchen menschliche Ansprache“, sagt sie, „und es gibt nichts Besseres als gesellschaftliches Engagement.“

Eine „sinnvolle Aufgabe“ nennt Patin Trudel Zimmer aus Kerpen-Blatzheim die persönliche Betreuung der Flüchtlinge. Sie kümmert sich um Sadetta Suljic und ihre fünf Söhne. Doch einfach sei das Helfen mitunter nicht: „Es sind ja Menschen, die traumatisiert sind durch die Lebensumstände.“ Wichtig sei, „für sie da zu sein, wenn sie jemanden brauchen, und sie das allein machen zu lassen, was sie ohne Hilfe hinkriegen. Das richtig einzuschätzen ist manchmal etwas schwierig.“ Eine „gewisse Anspruchshaltung“ mancher, beileibe nicht aller, Flüchtlinge mache die Sache nicht unbedingt leichter, fügt sie hinzu. Darin sind sich die Mitglieder des Manheimer Patenschaftskreises weitgehend einig.

Hier sei die Politik gefordert, erklärt Maggi Held-Gbane, die in Manheim-alt das JuZe, das DRK Kinder- und Jugendzentrum, leitet. „Es müsste mehr Fachkräfte geben, die vor Ort sind, um die Flüchtlinge so zu betreuen, wie sie es benötigen, um sich in einem fremden Land mit einer ihnen fremden Kultur zurechtzufinden.“ Ein Großteil der Besucher des JuZe besteht inzwischen aus Flüchtlingskindern und deren Eltern. Letztere jedoch haben eigentlich nichts zu suchen in der Einrichtung.

„Sie kommen trotzdem, weil wir WLAN und einen Kicker haben“, sagt Maggi Held-Gbane. Und gibt zu, dass man im JuZe – bei allem Verständnis für die Flüchtlinge – mitunter ein wenig überfordert sei. „Schließlich ist das hier ein Zentrum für Kinder und Jugendliche.“ Ein Treffpunkt für die Erwachsenen müsse her in Manheim-alt, empfiehlt sie. Am besten gleich zwei. Einer, in dem die Männer Karten und Schach spielen, und ein zweiter, in dem sich die Frauen treffen können.

„Die Bereitschaft zur Integration muss von beiden Seiten kommen“, sagt Wolfgang Eßer. Der 58-Jährige gehört zu denen in Manheim-alt, die sich mit Haut und Haaren der Sache der Flüchtlinge verschrieben haben. Auch Eßer, ehemaliger Berufssoldat und Vorsitzender des FC Viktoria Manheim, ist „auf der Reise“ in eine neue Zukunft. In wenigen Tagen wird er anfangen, in Manheim-neu zu bauen. Er weiß, was es heißt, die Heimat zu verlieren. Nicht nur deswegen setzt er sich für die Fremden ein.

Sechs Jugendliche hat er bereits für den FC Viktoria gewonnen, „mit Spielerpass und allem Drum und Dran“. In der ehemaligen Schule neben dem JuZe hat er ein Lager für Gebrauchtmöbel eingerichtet, die er weitervermittelt an die Flüchtlinge. „Wenn man jemanden integrieren will, dann findet man auch einen Weg“, sagt er. Und Eßer und die Kümmerer wollen.

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