Gartenstühle Eisen

Es riecht nach Eisen und Spiritualität: Schweisserin Andrea Stahl in ihrer Werkstatt in Aarburg. Bild: Doris Fanconi

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Neidisch könnte man werden. Auf so viel Power und Stimmigkeit. Da ist mal ihre Passion für dieses Metall, die sie nicht loslässt. Dann ist da der Erfolg, der ihr sagt: Mach weiter. Und dann sieht eine schöne Frau mit so einem Schweissbrenner in der Hand ja auch noch unglaublich gut aus, das muss einfach gesagt sein. Andrea Stahl trägt bei unserem Besuch in ihrer Werkstatt in Aarburg ihre Arbeitskluft, die derbe, schwarze Latzhose. Die braunen Locken wirbeln herum, wenn sie redet – und sie redet gern und viel. «Die meisten denken, Stahl sei mein Künstlername», lacht sie. Doch sie heisst tatsächlich so wie das Material, für das sie entflammt ist.

Auf der Werkbank liegen Schutzmaske, Plasmaschneider und Brenner – wir sind umgeben von schroffem Material, von Rohren, Platten, Metallschnipseln, Prototypen, halb fertigen Skulpturen. Der unverkennbare Duft von Eisen hängt in der Luft, und man denkt: So würde feuchter Nebel riechen, wenn er sich sein Lieblingsmaterial anverwandeln dürfte.

Dass einem bei dem Geruch auch die kalte Reckstange in den Sinn kommt, die einem das Leben in der Turnstunde so schwer machte, wollen wir mal beiseite lassen. Da könnte so mancher auf die Idee kommen, späte Rache (am Eisenrohr) zu üben. Widerstand will Andrea Stahl nicht brechen: «Eisen ist doch überhaupt nicht abweisend», sagt sie und wird heftig. «Chromstahl, das ist kalt, ja.» Aber Eisen? «Ein Naturmaterial durch und durch. Ausserdem kommen das Feuer und die Hitze dazu – die Natur schafft mit, wenn ich arbeite. Und das ist einfach faszinierend. Ich kann mir gar nicht vorstellen, nicht zu schweissen.»

Kommt Zeit, kommt Rost

Was Stahl aus dem sperrigen, schweren Material herausholt, wenn sie es mit dem Schweissbrenner aufbricht, ist erstaunlich. Die Schalen etwa – Stahl nennt sie «UFOs» –, die am Abend im Garten ein schönes Lichtspiel geben, wenn man sie mit Brennholz füllt, sind optisch höchst filigran. Stahl brennt ohne Vorlage, intuitiv ein flirrendes Muster heraus. Die Schwierigkeit besteht darin, dass das Verhältnis von geschlossener und offener Fläche in einem ausgewogenen Verhältnis steht, «das muss einfach stimmen», sagt Stahl. Sonst sieht es schnell einmal aus wie ein ausgeleiertes Strickmuster oder aber ein verfilzter Pullover. Ein Stuhlprototyp, der in der Ecke steht, ist so ein verunglückter Kandidat, «zu locker das Ganze». Man hat das Gefühl, optisch hindurchzufallen.

Harmonisch wirken dagegen die runden Wandlampen und die mannshohen, eckigen Eisenfackeln, die oben am Kranz durchbrochen werden und mit denen man den Garten stimmungsvoll beleuchten kann – Feuergel sei dank. Das Wetter bringt mit der Zeit dann den Rost und die richtige Patina.

Von einer Spezialfirma lasern

Mit ihren poetischen Mustern trifft sie punktgenau den heutigen Geschmack am Ornamentalen – unwillkürlich kommen einem all die Balkonbrüstungen in den Sinn, die sich in Zürich und andernorts breitmachen. Doch Andrea Stahl hat das nicht angesteuert, wie sie betont, sie holt sich ihre Ideen aus der Natur: «Man muss nur von unten in eine Baumkrone schauen, und schon sieht man im Gegenlicht die schönsten Reflexe.» Kommt hinzu, dass sie den Orient und dessen Formgebung schon lange liebt. Und so fühlt man sich in ihrem neuen Gartenstuhl oder in der Liege, die sie kürzlich an der Giardina in Zürich vorgestellt hat, wie in einem feinen Geäst, das einen sanft und sicher trägt.

Andrea Stahl schleppt den Stuhl in die Mitte der Werkstatt, wirft sich für das Foto mit Schwung hinein und fährt mit der Hand über das Muster. Anders als bei den Feuerobjekten lässt sie grosse Möbel wie dieses von einer Spezialfirma im Computer lasern und schweisst dann die 300 Einzelteile von Hand zusammen. Abschliessend wird der Stuhl pulverbeschichtet und so bearbeitet, dass die Flächen glatt und elegant werden. Billig sind Stahls Kreationen nicht, die Feuerobjekte kosten zwischen 1600 und 2500, der Gartenstuhl 2700 Franken.

Zwiegespräch mit der Leere

Angefangen hat alles im GZ Heuried in Zürich. «Damals, vor 25 Jahren, als ich 19 war, hatte ich kein Geld für schöne Möbel. Also habe ich mir welche aus Eisenrohren zusammengeschweisst, das Untergestell für einen Tisch oder ein Sofa.» Ein Dreiplätzer steht immer noch in der Werkstatt und erinnert an ihre Anfänge. Mit seiner abgewinkelten Rückenlehne wirkt das Sofa nach heutigem Stilempfinden etwas eigenwillig, aber zum Sitzen taugt es immer noch.

Der Meister im Heuried sei damals ein beseelter Kunstschmied gewesen – «er hat mich auf den Weg geschickt», sagt die 44-Jährige. Sie war talentiert, fand schnell heraus, dass dies «ihr» Material war. Schon bald durfte sie erste Kunstschweisskurse selber leiten. Heute wohnt sie in Solothurn, eine Familie, Kinder hat sie nicht: «Meine Objekte sind meine Babys», sagt sie. Könnte sie auch Schmied sein? Stahl rollt mit den Augen und meint: «Nein, dafür fehlt mir das gewisse Quantum Aggression. Das braucht man, um so richtig lustvoll draufhauen zu können.»

Hart, selbstständig zu sein

Einerseits hat Andrea Stahl eine ungeheuer zupackende Art, andererseits ist beim Gespräch neben dem Duft des Eisens noch etwas anderes im Raum – Spiritualität? Der starke Bezug zu den Elementen, Indien, der Begriff «Kraftort» fällt mehrmals – «Frau Stahl, sind Sie Esoterikerin?» – «Wenn Sie so wollen», meint sie. Beim Schweissen sei eine Art Zwiegespräch zwischen Materie und Leere im Gang – Momente, die sie beglückten und motivierten.

Diesen Spirit will sie weitergeben. Stahl führt in ihrer «Stahl-Factory» regelmässig Schweissworkshops zur Teambildung durch, Mitarbeiter und Kaderleute vieler grosser Firmen haben in ihrer Werkstatt schon einen Tag verbracht. «Die Leute sind ganz aus dem Häuschen, wenn sie den Schweissbrenner in die Hand nehmen dürfen und am Abend etwas mit nach Hause nehmen können, was sie selber gefertigt haben. Das ist eine Erfahrung, die sie im Berufsalltag selten machen.»

Was sie lieber für sich behält: dass es manchmal verdammt hart ist, selbstständig zu sein. Ob sich die hohen Auslagen für den Stand an der diesjährigen Giardina in Zürich gerechnet haben? Werden sich genügend Kunden für die neuen Gartenstühle erwärmen? Ist das Thema der filigranen Muster irgendwann erschöpft? Wie lange macht der Körper die anstrengende Arbeit mit? In solchen Momenten wirft sie ihre dunklen Locken nach hinten und schaut nach vorn.

www.stahlfactory.ch (Tages-Anzeiger)

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