Barhocker Braun Leder

Ein bisschen an die Wartehalle am Flughafen angelehnt: das Interieur der Abflugbar in der Gerechtigkeitsgasse. Bild: zvg

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Marketingfachleute würden sich am Konzept dieses Lokals den Kopf zerbrechen. Gerade heutzutage, wo sich jedes Quartierrestaurant um ein Alleinstellungsmerkmal bemüht (modern: Unique Selling Proposition), gerade heute, wo jedem Produkt eine Herkunftsgeschichte angedichtet wird. Doch die Abflugbar, ein Gewölbekeller in der Berner Gerechtigkeitsgasse, verzichtet darauf. Dezent hat sie zwar Motive der Aviatik ins Dekor eingewoben. Doch das ist nicht der Punkt.

In dieser Bar gibt es Alkoholika jenseits von Lagerbier, Caipirinha und Aperol Spritz. Und auch jenseits von Billig-Shots, wie der Barkeeper zwei jungen Gästen mit Nachdruck erklärt – sie ziehen wieder von dannen. Zwar verfügt die Abflugbar über eine überblickbare Getränkekarte – Bier, Wein und Caipirinha inklusive. Doch erst wenn die Gäste den Barkeeper nach einer Empfehlung fragen, tut sich ein ganzes Cocktail-Universum auf.

Eiweiss im Mixer

Zuerst soll es ein Cocktail mit Gin sein. Der Barkeeper greift nach einer Flasche G’Vine, einem mit Traubenblüten aromatisierten Gin aus Frankreich. Von diesem leert er in einen Schüttelbecher, dazu kommen grüne Trauben, Eis, Zitronensaft und Zucker. Dann holt er ein rohes Ei, bohrt ein Loch in die Schale und lässt das Eiweiss in den Shaker fliessen

Dank der richtigen Schüttel-Technik und der geübten Oberarme des Barkeepers zermalmt das Eis die Trauben. Durch ein Sieb giesst er den Inhalt des Shakers in ein Glas. Das Eiweiss bildet einen aromatischen Schaum auf dem grünlichen Drink – das Resultat schmeckt fantastisch. Mit 18 Franken ist dieser – wegen des exklusiven Gins – der teuerste Drink des Abends.

Gin scheint ein Steckenpferd der Barbetreiber zu sein. Die Wacholder-Spirituose ist hier in diversen Sorten erhältlich. Eine davon wurde mit etwas Rosmarin gebrannt und wird zusammen mit einem Westschweizer Tonicwater, einem Rosmarinzweig und einer Olive im Weinglas serviert.

Ein schöner Bloody Mary

Auch bei Klassikern beherrscht der Barmann sein Handwerk – immerhin hat er sich an der Barschule Rostock den Titel «Master of Bartending, Wine & Spirits» verdient. So ziehen die interessierten Zuschauer die Barhocker den Polsterbänken im hinteren Teil des Kellers vor. Der Barkeeper erzählt – nie aufdringlich, sondern immer auf Nachfrage – dass die Bloody Mary (Fr. 15.-) einer der Cocktails sei, die man nun eben nicht schüttle, sondern bloss rühre. Dies, weil der Tomatensaft den Schaum sonst unschön braun einfärben würde. Liebevoll träufelt er zuletzt etwas Sonnenblumenöl mit Zitronengrasinfusion auf den Drink.

Trend-Potenzial hat der «Basil Bash», ein erfrischender Gin-Cocktail, welcher mit Basilikumblättern geschüttelt wird. In Berlin bereits absolut angesagt sei der «Dark n’ Stormy» (Fr. 15.-), erzählt der Barkeeper: ein Viertel dunkler Rum, drei Viertel alkoholfreies Ingwerbier. In der Abflugbar wird dieser Mix effektvoll mit dünn geschnittenen Ingwerscheiben serviert.

Das Getränk hat seinen Reiz, doch es verfügt über deutlich weniger Geschmacksnoten als andere Drinks aus dem grossen Repertoire der Abflugbar. Besonders wenn das Lokal unter der Woche weniger voll ist, haben die Gastgeber Zeit, ihre Spezialitäten vorzustellen.

Rezept gegen den Kater

Zum Abschluss des Abends fragen die Gäste – schon fast wieder etwas hungrig – nach einem salzigen Cocktail. Der Barkeeper denkt kurz nach, zögert und erwähnt dann die «Prairie Oyster», Prärie-Auster (Fr. 11.-). Der Drink sei nicht jedermanns Sache und man müsse ihn in einem Schluck trinken. Los gehts! So giesst er etwas Olivenöl ins Glas und verteilt dieses den Wänden entlang. Dazu kommt Ketchup, darauf etwas Tabasco, Salz, Pfeffer und Worcestershiresauce. Dann wird ein frisches, ganzes Eigelb darauf platziert und das Ganze mit bescheidenen 2 Zentilitern Brandy geflutet.

Nur knapp hat der ganze Glasinhalt im Mund Platz. Ein, zwei Mal muss gekaut werden, um das Eigelb zum Platzen zu bringen. Tatsächlich ergänzt sich dieses harmonisch mit dem Aroma der Gewürze und der Schärfe von Tabasco und Brandy. Leider ist das ganze nach einem Schluck bereits vorbei. Doch eine positive Nebenwirkung hat die Prärie-Auster laut dem Barkeeper: Ihre Inhaltsstoffe bekämpfen bereits präventiv einen allfälligen Kater. (Der Bund)

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    Diner Barhocker
    willkommenaus aktuellem Anlass zu einer neuen lehrreichen Folge unserer unregelmäßigenSerie “Nepper, Schlepper,Hamburgerfänger”. Diesmal
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