Barhocker Holz Leder

Der Havana Club ist eine der ersten Münchner Bars – und ein zeitloser Klassiker.

Andreas Schubert wurde in Regensburg geboren, studierte dort Germanistik und Anglistik und arbeitete anschließend zunächst für die Regionalausgaben der SZ mit den Schwerpunkten Lokalpolitik und Kultur. Nach dem Volontariat bei der Süddeutschen Zeitung war er für verschiedene Bereiche zuständig, unter anderem die Thema-des-Tages-Seite und die Münchner Gastroszene. Jetzt schreibt er über den täglichen Wahnsinn auf den Straßen und Schienen der Stadt.

Barhocker Holz Leder

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Es gab eine Zeit, da dachte man hierzulande beim Wort “Bar” an zweifelhafte Amüsierbetriebe oder verrauchte und verruchte Absteigen, in die sich halbwegs anständige Menschen niemals hineingewagt hätten. Bis in die Siebzigerjahre war München barmäßiges Niemandsland, dann kamen endlich Menschen auf die Idee, dass man unter Drinks durchaus auch etwas anderes verstehen kann, als Bier und Korn dazu.

So öffnete zum Beispiel 1974 Harry’s American Bar (seit 1993 Pusser’s New York Bar). Von 1982 an ebnete dann ein ehemaliger Bartender ebenjenes Lokals, Charles Schumann, mit seinem Schumann’s endgültig den Weg zur gehobenen Trinkkultur. Und auch der junge Michael Käfer gründete eine Bar nach kubanischem Vorbild, den Havana Club. Im Oktober 1985 war das – und in den 30 Jahren seines Bestehens hat sich der Havana Club in der Herrnstraße nahe dem Isartor auch nach zwei Besitzerwechseln nicht verändert.

Christoph Klingele war von Anfang an dabei, 1989 dann übernahm er den Laden ganz. Auch damals konnte sich noch niemand so richtig vorstellen, dass Barkeeper dereinst Drinks mit Schäumchen oder Kräuterdämpfchen auftischen würden, wie es heute mancherorts der Fall ist. Damals wie heute setzte man im Havana Club auf Drinks mit ordentlichen Zutaten, deren Zubereitung nicht zehn Minuten braucht.

30 Jahre sind für eine Bar eine lange Zeit. Und während Lokale kommen und gehen oder sich immer neuen Trends anpassen, um den Anschluss nicht zu verlieren, sind sie sich an der Herrnstraße treu geblieben. Die Einrichtung ist wie gehabt gemütlich und dunkel gehalten, die Materialien Holz, Leder, Messing und die Patina aus drei Jahrzehnten schaffen eine Wohlfühlatmosphäre.

Blickfang ist die wuchtige Holzbar, von deren Rückwand aus einem Ernest Hemingway höchstselbst beim Cocktailtrinken zuschaut. Okay, bei Hochbetrieb ist es mit dem Wohlfühlen nicht ganz so weit her. An manchen Abenden, vor allem am Wochenende, drücken sich die Gäste in zwei Reihen um die Bar. Spontan einen Tisch oder Barhocker zu ergattern, ist dann eine Herausforderung. Aber unter der Woche, zur “blauen Stunde” nach Feierabend, ist es eher ruhig. Dann haben die Keeper auch Zeit, einen zu beraten und Drinks auf den individuellen Geschmack zuzuschneiden.

Die kommen dann oft mit Cocktail-Kirsche, was so mancher Zeitgeisttrinker und Hobby-Mixologe vielleicht als “sowas von oldschool” belächeln wird. Aber die Stammgäste wissen zu schätzen, dass man hier keine großartigen Experimente betreibt. Und nicht nur die. Auch für nur gelegentliche Besucher, die nur mal Lust auf ein Becks vom Fass oder San Miguel (jeweils 3,80 Euro je 0,3 Liter), ist die Bar eine gute Anlaufstelle oder eine Zwischenstation, wenn es dann weiter in einen Club gehen soll. Ein Gutteil des Publikums allerdings ist gut Ü 30 und dürfte schon lange keinen Club mehr von innen gesehen haben.

Aber die Mischung aus verschiedenartigen Nachtschwärmern macht es vermutlich aus, dass sich der Havana Club zu einem Dauerbrenner entwickelt hat. Entsprechend würde sich Christoph Klingele auch davor hüten, großartige Veränderungen oder gar Umbauten vorzunehmen, wie er erzählt. Überhaupt stellt er fest, dass sich viele Gäste wieder auf das Motto “back to the roots” besinnen und wieder vermehrt Klassiker wie Whiskey Sour (9 Euro) ordern.

Aber die Karte gibt noch weit mehr her. Viele bekannte Standards finden sich dort, die Preise der meisten liegen zwischen 8,50 und 9,50 Euro. Ausreißer nach oben sind natürlich auch möglich, aber nach einem vorzüglichen “Fasten Seat Belt” mit drei verschiedenen Rum-Sorten für 12,50 Euro überlegt man sich eh, ob es noch weitere Drinks braucht.

Was das Havana noch besonders macht, ist die riesige Auswahl an Rumsorten, die man am besten pur probieren sollte. Mehr als 100 Sorten bieten sie an, von denen eindurchschnittlicher Supermarkt-Käufer noch nie etwas gehört hat. Sie kommen zum Beispiel aus Antigua, Barbados, den Bermudas, von den Kanarischen Inseln, aus Guadeloupe, Peru – und natürlich aus Kuba. Die Vielfalt lehrt einen, wie breit die Geschmackspalette bei Rum sein kann. Wer keine Ahnung hat oder sich einfach nicht entscheiden kann, darf schon mal (wenn es die Zeit des Personals erlaubt) an der Flasche schnuppern, welche Richtung ihm eher zusagt.

Der Havana Club war Christoph Klingeles erstes eigenes Lokal. Unter anderem betreibt er noch mit seinem Kompagnon Alon Gleibs das Ziegelhaus am Hart, das Padres in der Isarvorstadt, den Großwirt in Neuhausen und das Café Puck in der Maxvorstadt. Großes Aufsehen wolle er um den 30. Geburtstag des Havana Club nicht machen, sagt Klingele. Aber das braucht die Bar auch gar nicht. Treue Fans hat sie aus so schon genug.

Auch wenn der Chef betont, dass sich nichts verändert habe in all den Jahren, stimmt das nicht ganz. Zigarren werden, wie es früher in der Bar üblich war, nicht mehr geraucht. Und sich mit einer dicken Kubanischen vor die Tür zu stellen – das ist selbst eingefleischten Karibik-Fans zu blöd

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    willkommenaus aktuellem Anlass zu einer neuen lehrreichen Folge unserer unregelmäßigenSerie “Nepper, Schlepper,Hamburgerfänger”. Diesmal
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