Barhocker Hamburg

Ende des mysteriösen Falls um die verschwundene Millionärin: Nach massiven Schlägen mit einem Barhocker auf die vermögende Galeristin aus dem ostfriesischen Leer kommt ein 55-Jähriger sechseinhalb Jahre in Haft. Das Landgericht Aurich verurteilte den Mann am Donnerstag wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Die 66-Jährige war an einer Kopfwunde verblutet, während sich der gebürtige Bochumer im Nebenzimmer schlafen gelegt hatte. Zuvor hatten Täter und Opfer viel Alkohol getrunken und waren dann in einen heftigen Streit geraten, bei dem es auch um Sex ging.

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Vor knapp einem Jahr hatte der Fall großes Aufsehen erregt, nachdem die Frau zunächst spurlos verschwanden war, ihr alter Jaguar stand oredntlich geparkt im Hamburger Stadtteil Ottensen. In ihrem Café entdeckte die Polizei Blut- und Gewebespuren. Nach mehreren erfolglosen Suchaktionen wurde die Leiche erst im März nahe Seevetal bei Hamburg in einem Wald entdeckt.

„Sie wollte mit ihm schlafen, aber er war zu müde“, rekonstruierte Richter Daniel Hunsmann die Ereignisse der gewaltsamen Nacht zum 22. Oktober 2016 in Bingum (Kreis Leer). Dabei geht es anfangs recht harmonisch zu: Der künstlerisch ambitionierte Mann und die wohlhabende Galeristin und promovierte Physikerin sind seit zwei Wochen ein Paar, er zieht in ihre Villa in Leer ein, beide schmieden Zukunftspläne und wollen gemeinsam nach Ibiza, wo der Mann zuvor schon gelebt und als Musiker gearbeitet haben soll. Als er ihr abends ein Lied vorsingt und Gitarre und Klavier spielt, lauscht sie entzückt. Sie soll eine einsame Frau gewesen sein.

„Glück und Unglück lagen bei ihr selten so eng zusammen wie kurz vor der Tat“, stellte Hunsmann fest. Denn die alkoholkranke Frau wird nach Zeugenaussagen streitsüchtig und bohrt in den Fehlern anderer herum, wenn sie betrunken ist. Selbst der neue Freund wird beschimpft. Der Musiker fühlt sich als „Klimperer“ beleidigt. „Als er nicht mit ihr schlafen will, nennt sie ihn Schlappschwanz und Versager, der kein Geld hat und nichts auf die Reihe kriegt“, sagte der Richter.

Auch beim Angeklagten wird im Prozess ein Problem mit Alkohol sichtbar: Er verträgt davon nicht viel. In der Tatnacht will er mehrere Flaschen Sekt getrunken haben. „Ich war noch nie derart betrunken und hatte einen starken Rausch“, erinnerte er sich. Ein Gutachter errechnet später einen Alkoholwert von zwei Promille. Als irgendwann an dem Abend ein Glas zerbricht, kippt die bisher friedliche Stimmung. Auf dem Höhepunkt des Streits kann der Mann die Beleidigungen der Frau nicht mehr ertragen.

„Mir sind die Sicherungen durchgeknallt“, schilderte der Angeklagte die Situation, „ich wollte, dass sie einfach aufhört“. Er schlägt der Frau einen Barhocker auf den Kopf und versetzt ihr weitere Schläge, als sie schon auf dem Boden liegt. „Verpiss dich“, kann das blutende Opfer noch sagen, worauf sich der Mann im Nebenraum schlafen legt.

Erst am nächsten Morgen will der Täter erkannt haben, dass die Frau gestorben ist. „Ich war total erschüttert und konnte tagelang nicht schlafen, ich hatte immer diese Bilder im Kopf“, beschrieb er seine Gefühle. Danach verwischt er die Spuren des Verbrechens, packt die Leiche in das Auto der Frau und deckt sie mit einem Tuch zu. Einige Tage später legt er die Tote in einem Waldstück bei Seevetal ab.

Der wegen Betrugs vorbestrafte Mann gerät schnell ins Visier der Ermittler und wird im November festgenommen. Er bestreitet die Tötung, räumt aber ein, die Leiche an der Autobahn zwischen Bremen und Hamburg abgelegt zu haben. Mehrere Suchaktionen der Mordkommission „Villa“ bleiben erfolglos. Erst im März findet ein Spaziergänger die Leiche.

Der Prozessauftakt im Mai gestaltete sich schwierig, denn der wegen Totschlags Angeklagte machte zunächst keine Aussagen. Das Gericht wertete in dem zähen Indizienprozess zahlreiche Spuren und Gutachten von zwei Sachverständigen aus. Schließlich kam es im September zu einem „Deal“ mit dem Angeklagten: Für sein Geständnis sollte er eine mildere Strafe zwischen sechs und sieben Jahren bekommen.

Danach wertete die Anklage das Verbrechen nur noch als Körperverletzung mit Todesfolge und plädierte wie der Nebenkläger auf sieben Jahren Haft. Der Verteidiger hatte sich für sechs Jahre Freiheitsstrafe ausgesprochen.

 

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