Novel Barhocker

And a Jay-Z song was on: 2009 singt Miley Cyrus darüber, wie sie nach Los Angeles zieht und sich erst heimisch zu fühlen beginnt, als sie das Radio einschaltet und ein Song ihr davon kündet,  dass alles gut werden wird. „Party In The USA“ heißt dieser Track wenig subtil, und egal, wie oft letztes Jahr zu lesen war, dass angedeutete Masturbation und schwingende Abrissbirnen die Wandlung von der Disney-Schauspielerin zur überdrehten Göre einläuten würden: Die Selbstbemächtigung begann bereits hier, als Hannah Montana in den Spiegel blickte und ihr Miley Cyrus als Sängerin entgegen sah.

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Auf den Konzerten ihrer Europa-Tour bildet der Song den Abschluss, einen Epilog, der auf diese Urszene zurückverweist. Gestern spielte Miley in der Kölner Lanxess Arena ihren ersten Deutschland-Gig – am selben Ort, an dem zwei Tage zuvor der türkische Ministerpräsident Erdogan zum Stimmenfang angetreten war. Für Mittwoch ist dort als nächstes DJ Bobo angekündigt. Geheimnisvolles 21. Jahrhundert.

Mileys letztes Album Bangerz ist das Fundament des Konzerts – Musik, die in ihren besten Momenten sowohl das Zentrum wie auch die Avantgarde des aktuellen Pop definiert: Grooves, die das monotone Pochen und Hämmern des Trap Raps mit der Neuverortung von R&B als elektronischer Clubmusik verbinden. Ja, Miley fliegt zu diesen Klängen mit einem Hot Dog durch die Arena, deutet auf der Haube eines vergoldeten Autos Selbstbefriedigung an, lässt ihren Hund Floyd, den einstigen Held zahlreicher Twitter-Bilder, als gewaltige Statue auferstehen, präsentiert in den Umziehpausen ein Bondage-Video und trägt ein Kleid aus zusammengeklebten Dollarscheinen, die sie im Laufe der Perfomances selber verspeist und in den Zuschauerraum spuckt.

Aber dieser erbauliche, munter umherwuselnde Karneval ist weniger das Symptom, das zahlreiche Journalisten, die das einstige Anrecht der Popmusik auf Hedonismus gegen eine neue Biedermeier-Kritiklust getauscht haben, darin erblicken, sondern der unmittelbare Adoleszenz-Ausdruck einer Künstlerin, die in der Öffentlichkeit aufgewachsen ist: Zu eklektisch und leichtfertig, um als Kalkül zu gelten. Zu lustvoll und tanzbar, um von so etwas Stoffeligem wie einer Provokation zu sprechen. Miley ist das, was Diedrich Diederichsen unlängst als Charakteristikum von Pop definierte: Das Besondere, Nicht-Wiederholbare auf der perfekt organisierten Oberfläche. Inmitten einer kompetent stylisierten Choreografie ist sie die wild card in the pack – eine Sängerin, die launig und spontan, manchmal ungelenk durch die eigene Show tänzelt und lediglich zwischen den Songs die entsprechende Stelle ansteuern muss, an der sie unter die Bühne gezogen wird, um die Kleider zu wechseln. „Oh shit, it’s so dark“ flucht sie einmal ins Mikrofon, als ihr dies nicht sofort gelingt.

Nur Intimität funktioniert als allumgreifende Inszenierung nicht, offenbart sich mit aufdringlicher Ungezwungenheit als Showgeste: Auf einer kleineren Bühne inmitten des Zuschauerraumes erprobt Miley mit gezupftem Standbass und Barhocker das Klischee des andächtigen Akustiksets für ein Stadionpublikum, indem sie Songs von Dolly Parton, Lana Del Rey und The Smiths singt. Darin liegt die unauflösliche Paradoxie des Kinderstars,  der von Anbeginn im Rampenlicht steht: Miley Cyrus weiß nicht, wie sie den unmittelbaren Kontakt mit ihren Zuhörern herstellen kann, weil sie nie in Clubs Konzerte gegeben hat. Die Körperbewegungen werden in der sitzenden Haltung unbeholfen, und der Gesang flüchtet sich in überdehnte Innigkeit. All dem Spott zum Trotz, den sie für ihre Version von „There Is A Light That Never Goes Out“ erhält, scheint es jedoch, als sei es dieser Teil ihrer Auftritte, an dem sie als Künstlerin reifen wolle, indem sie unbeirrbar daran festhält. „Ihr kennt den Song vielleicht nicht, aber ich entscheide als Sängerin, was ich singe“, sagt sie in Köln. Näher als auf ihren Selfies, die sie on the road (allerliebst: der Kölner Dom!) und während der Auftritte bei Instagram veröffentlicht, kommt man ihr gleichwohl noch nicht.

Großartig ist Miley hingegen, wenn sie mit ihrer eigenen Ikonografie spielt, jene konkreten Bilder und Codes, die sie in den letzten Monaten unauslöschlich und unabweisbar omnipräsent erzeugt hat, variiert oder verweigert. Das Streichholz, mit denen sie ein Feuer entzündete, das bis heute heller leuchtet als jeder andere zeitgenössische Pop-Act, präsentiert sie als stolzes Totem erst zum Schluss: Für „Wrecking Ball“ verzichtet sie auf auf den Tanz auf der Abrissbirne und singt das Lied stattdessen inmitten eines schwachen Lichtkegels auf einer ansonsten ins Dunkel gehüllten Bühne. Dann erlischt auch dieses Licht, der Applaus verebbt und die ersten Zuschauer streben auf die Ausgänge zu. Plötzlich regnet es Fluten von bunten Papierschnipseln und Tänzer mit Gummimasken, die amerikanische  Präsidenten darstellen sollen, rennen durch das Auditorium, während die Freiheitstatue die Freiheitsglocke zum Twerking herausfordert. And a Miley song was on.

 

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    Diner Barhocker
    willkommenaus aktuellem Anlass zu einer neuen lehrreichen Folge unserer unregelmäßigenSerie “Nepper, Schlepper,Hamburgerfänger”. Diesmal
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